Selbstständig: Welche Lohnsteuerklasse ist die Richtige?

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Steuerklassen gelten nur für Arbeitnehmer und beziehen sich auf die Lohnsteuer. Als Selbständiger zahlen Sie keine Lohn-, sondern Einkommersteuer. Dennoch sind die Lohnsteuerklassen für Sie zumindest indirekt von Bedeutung.

Derzeitige Lohnsteuerklassen:

Derzeit gibt es sechs Steuerklassen, die bewirken sollen, dass die zu zahlenden Steuern zeitnah bezahlt werden. Sie regeln nur die Art und Weise der Steuerzahlung und sagen nichts über die tatsächliche Steuerschuld aus. Ihre Wahl beeinflusst im Ergebnis die Höhe der zu zahlenden Steuern nicht. Die Klassen III und IV gelten für Verheiratete und können sich auch für Selbständige vorteilhaft oder nachteilig auswirken, wenn der Ehepartner abhängig beschäftigt ist.

Irrtümer bei Selbständigen hinsichtlich der Steuerklassen:

 

Folgenden Irrtümern könnten Sie als jemand, der sich gerade selbständig gemacht hat oder noch nicht sehr lange selbständig ist, erliegen:

  • Für Selbständige gilt eine eigene Steuerklasse: Keine der sechs Klassen ist für Selbständige definiert.
  • Der angestellte Ehepartner darf niemals die Klasse III bekommen: Das genaue Gegenteil ist oft vorteilhaft.
  • Die Steuerklassenwahl III/V bringt beachtliche finanzielle Vorteile: Unter bestimmten Voraussetzungen – etwa gleich hohes Bruttogehalt des angestellten und Gewinn des selbständigen Ehepartners – stimmt das für das erste Jahr. Danach setzt das Finanzamt die Einkommensteuervorauszahlungen höher an.
  • Heiraten bringt keinen finanziellen Vorteil für Selbständige: Stimmt nicht! Verheiratete Selbständige haben über die Einkommensteuererklärung dieselben Vorteile wie Arbeitnehmer.

Lohnender Wechsel der Steuerklassen

 

Entscheiden sich Ehepaare für die gemeinsame Veranlagung, greift der Splittingtarif, der sich umso stärker auswirkt, je weiter die Einkommen auseinander liegen. Die Steuerklasse dürfen Sie einmal im Jahr ändern.

Ein Ehepartner ist selbständig: Ist einer der beiden Eheleute selbständig, ist es am günstigsten, wenn der angestellte Partner die Lohnsteuerklasse III wählt. Damit lassen sich die Abweichungen von der Gesamtsteuerschuld reduzieren und Sie können Ihr monatliches Nettoeinkommen innerhalb bestimmter Grenzen steuern.  Die Wahl der Klasse hat allerdings keine Auswirkungen auf die Gesamtsteuerschuld am Ende des Jahres.

Bevorstehender Familienzuwachs: Bei Ehepaaren, die im nächsten Jahr ein Kind bekommen und von denen der angestellte Partner anschließend zu Hause bleiben will, sollte möglichst schnell ein Steuerklassenwechsel zu III für den angestellten Partner beantragt werden. Grund: Das gezahlte Elterngeld richtet sich nach dem Nettolohn. Achtung! Der Wechsel muss frühzeitig erfolgen, denn maßgeblich für die Höhe des Elterngeldes ist der durchschnittliche Nettolohn in den zwölf Monaten vor der Geburt.

Wenn das Elterngeld an Sie als selbständiger Elternteil fließen soll, sollten Sie Ihre Einkommensteuervorauszahlungen senken lassen, indem Sie gegenüber dem Finanzamt erhöhte Ausgaben und/oder Gewinnrückgänge geltend machen.

Was Sie abschließend bedenken sollten

 

Wahl und Wechsel der Steuerklassen wirken sich bei Ehepaaren nicht nur auf Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer, sondern auch auf Sozialleistungen aus. Bedenken Sie auch, dass dadurch Arbeitslosengeld I, Unterhalts- und Krankengeld, Übergangs-, Eltern- und Mutterschaftsgeld sowie Lohnanspruch bei Altersteilzeit beeinflusst werden.

Die Wahl der Steuerklasse ist immer von den persönlichen Verhältnissen der Eheleute abhängig. Bei Arbeitslosigkeit muss anders entschieden werden als bei einer voraussichtlichen Trennung.

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Kategorien: Finanzen & Steuern, Recht & Gesetz

Kommentar (1)

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  1. Milena sagt:

    Sehr gut erklärt aber nicht für ledige, Selbständige eine 1-Frau(Mann)-GmbH führen, gelten dann die Steuerklassen oder die Einkomensteuer???