AB IN DEN KNAST – Das Finanzamt jagt eBay-User

Das Finanzamt jagt eBay-User

Gastbeitrag von Klaus Linke

Millionen Deutsche bieten über das Internetauktionshaus eBay oder bei anderen Online-Plattformen Verkaufsartikel an. Wenn Sie auch dazu gehören, sollten Sie sich erkundigen, ob Ihre Zusatzeinnahmen versteuert werden müssen. Es kann sonst sehr teuer für Sie werden. Neuerdings machen Steuerfahnder verstärkt Jagd  auf Online-Gewinne und nehmen dabei auch kleinere Gewinne ins Visier. In der Finanzverwaltung werden spezielle Ermittlungsgruppen für Internetauktionshäuser aufgebaut und immer mehr Sonderkommissionen von Finanzämtern gegründet.

 

Vorsicht! Das Finanzamt sieht alles. Es prüft Internetseiten auf steuerlich relevante Tatbestände und fordert im Einzelfalle erhebliche Steuernachzahlungen. Von besonderem Interesse sind umfangreiche Verkaufsaktivitäten oder der Verkauf von wertvollen Gegenständen.

Es gibt einfache Regeln für Selbständige:

  • Wenn Sie Gegenstände, die zum Betriebsvermögen gehören, über eine Online-Plattform verkaufen, müssen Sie die Verkaufserlöse in Ihrer Steuererklärung angeben.
  • Wenn Sie private Gegenstände verkaufen, brauchen Sie den Verkaufserlös nicht zu versteuern.
  • Problematisch wird es, wenn Sie Gegenstände einkaufen und über eBay weiter verkaufen. Darin sieht das Finanzamt eine gewerbliche Tätigkeit. Die Fälle bekommen die Finanzämter direkt vom Bundeszentralamt für Steuern. Die dortige Spezialsoftware durchsucht Online-Plattformen nach Onlinehändlern, die hohe Umsätze, viele Bewertungen und Verkäufe haben.

Sobald Sie sich als Verkäufer in eBay als Unternehmer angemeldet haben, ist die Umsatzsteuer relevant. Sind Sie dagegen Privatverkäufer, wird geprüft, ob die Verkäufe nach Art und Umfang tatsächlich privater oder unternehmerischer Natur sind. Werden Sie als unternehmerisch gewertet, sind sie in den Steuererklärungen zur Einkommen-, Umsatz- und Gewerbesteuer anzugeben.

Derjenige gilt als Betreiber eines Gewerbebetriebes, der sich selbständig nachhaltig auf dem Markt in der Absicht betätigt, Gewinne zu erzielen. Ob es sich bei einem eBay-Händler um einen Gewerbetreibenden handelt oder nicht, ist nicht einfach zu beurteilen. Im Zweifel wird sich das Finanzamt auf den Standpunkt, dass es sich um einen Gewerbebetrieb handelt, berufen. Es achtet z.B. auf den Umfang der Auktionen, ob diese den privaten Umfang überschreiten oder auch ob immer wieder neue oder auch gebrauchte Gegenstände gleicher Art verkauft werden.

Kommt das Finanzamt zu dem Schluss, das Sie gewerbliche Einkünfte erzielen, müssen Sie die Gewinne aus der Verkaufstätigkeit der Einkommensteuer (nebst Solidarzuschlag und ggfs. Kirchensteuer) unterwerfen. Gewerbesteuer zahlen Sie immer dann, wenn Ihr Gewinn über 24.500 Euro beträgt. Die Umsatzsteuer greift ab 17.500 Euro. Hier müssen Sie keine konkreten Gewinne erzielen, sondern er reicht aus, dass Sie die Absicht haben, Gewinne zu erzielen.

Steuerlich unbeachtlich bleiben Geschäfte, wenn sie vom Finanzamt als Liebhaberei eingestuft werden. Bei solchen Geschäften fallen in der Regel Verluste an. Solche Tätigkeiten sind nicht nachhaltig und zielen nicht auf Einnahmeüberschüsse.

Tipps zur Vermeidung von Ärger mit der Steuer:

  • Legen Sie für eBay-Verkäufe unbedingt ein gesondertes Bankkonto  an
  • Drucken Sie jede eBay- Monatsrechnung komplett aus.
  • Legen Sie für jeden Privatverkauf ein eigenes eBay-Konto an.
  • Verkaufen Sie niemals Artikel für Freunde und Bekannte auf Ihren Namen.
  • Rechnen Sie als Privatverkäufer mit vielen Verkäufen damit, dass der Fiskus den „Privathandel“ bei einem gewissen Volumen anders sieht.

Die Finanzämter ersuchen bei Hinweisen auf Onlinehandel die Auktionshäuser um Auskunft über den jeweiligen Nutzer. Unversteuerte erhebliche Onlineumsätze erfüllen den Tatbestand der Steuerhinterziehung. Der Fiskus macht keinen Unterschied, ob Steuern vorsätzlich oder aus Unwissenheit hinterzogen werden.

Klaus LinkeZur Person: Klaus Linke (60) ist Diplom-Volkswirt und hat sich als freier Autor auf Steuerfragen spezialisiert. Er war viele Jahre Geschäftsführer einer großen Wirtschaftskammer.

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Kategorien: Finanzen & Steuern, IT & Mobile, Recht & Gesetz

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